Gott regiert Amerika
7. November 2008 von UlliDas die USA die meisten Gotteshäuser pro Einwohner haben und das diese Kirchen von Woche zu Woche voller werden, ist bekannt. Aber welche Macht und welchen Einfluss haben alle diese Gemeinden und religiösen Gruppen über die Supermacht?

In welchen Dimensionen bewegen sich Gott und Gläubigkeit und in welcher Form beeinflussen sie die amerikanische Gesellschaft und die amerikanische Politik? Dieser Frage ist der Journalist Matthias Rüb von der FAZ nachgegangen und schildert in seinem Buch “Gott regiert Amerika” ein fast schon beängstigendes Szenario.
In 12 Reportagen berichtet er unter anderem über die ultra-konservativen chassidischen Juden in New York, über das Städtchen Dearborn in dem die Schiiten die Mehrheit haben und über die stetig wachsende Glaubensgemeinschaft der Mormonen in Utah.
Rüb schreibt nüchtern und ohne Vorurteile über die (seiner Meinung nach) Tatsache, dass die Kirchen langsam aber sicher die Trennung von Kirche und Staat außer Kraft setzen und der erste Zusatzartikel der Verfassung bald nur noch auf dem Papier existiert.
So wurde zum Beispiel die Liberty Universität in Virginia von den Evangelikalen gegründet, die heute fast 30.000 Studenten ein komplettes Studium finanzieren und stolz darauf sind, mittlerweile über 120.000 “Kader” ins Berufsleben entlassen zu haben.
Ein weiterer Aspekt den Rüb heraushebt, ist besonders in der jetzigen Zeit interessant. Je mehr die USA ihren Part als Supermacht in der Welt verlieren, umso mehr wird den Gläubigen eingehämmert, dass Gott allein der Retter dieser auserwählten Nation ist. Man kann sich ausmalen, wie ein Volk das schnell zu begeistern und zutiefst patriotisch ist, darauf reagiert.
“Gott regiert Amerika” ist ein spannendes Buch, das nachdenklich macht besonders jetzt, wo die USA vor einem vermeintlichen Wandel stehen.


